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Tansania – ein unvergessliches Erlebnis

Als mir im Februar 2018 die Möglichkeit eröffnet wurde, im Sommer für drei Wochen mit nach Tansania zu fliegen, brauchte ich nicht lange zu überlegen.

Nach einer intensiven Vorbereitungszeit machte ich mich gemeinsam mit zehn weiteren Teilnehmern aus Dalum auf nach Tansania. Von Düsseldorf ging es zunächst mit dem Flieger nach Amsterdam und von dort zum „Kilimanjaro-Airport“ im Norden Tansanias.

Am folgenden Morgen begab sich unsere Reisegruppe nebst Dolmetscher und unserem Reiseleiter für die ganze Tour auf den Weg nach Arusha. An dieser Strecke lag eine Berufsschule, gefördert von einer Partnergemeinde in Kiel –Heikendorf, in der sich eine Tischlerwerkstatt und eine Näherei für Schuluniformen befanden. Am späten Abend trafen wir in Arusha ein, eine der bekanntesten Städte Tansanias mit ihren vielen internationalen Kongresszentren, eine Weltstadt. Am nächsten Morgen folgte eine Stadtrundfahrt mit sogenannten „Bajaji“. Das Bajaji ist ein Motorrad auf drei Rädern, im hinteren Teil mit zwei überdachten Sitzplätzen versehen. In einem Konvoi mit insgesamt sieben Fahrzeugen bewegten wir uns durch die Stadt, fuhren damit über Marktplätze, nahe an den Menschen auf der Straße vorbei, ein Gefühl, an welches man sich erst einmal gewöhnen musste. Nach zwei Übernachtungen in Arusha hieß es für uns: weiter in Richtung Karatu, einer Zwischenstation auf unserer weiteren Reise. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer Massai-Boma vorbei. Die Massai freuten sich über unseren Besuch und beglückten uns mit Tanz und Gesang. Weiter, vorbei am Lake Manyara, einem Salzsee und Heimat vieler Flamingos, trafen wir gegen Abend in Karatu ein. Schon früh am Morgen (05°°Uhr) des darauffolgenden Tages hieß es: fertig machen für den Trip durch die Serengeti (ehemalige Wirkungsstätte von Professor Grzimek und seinem Sohn Michael). Vorbei am 600m tiefen Ngorogorokrater ging es weiter in Richtung Serengeti. Der Weg war sehr beschwerlich und furchtbar holperig und schien nicht enden zu wollen. Der Anblick von Giraffen, Büffeln und tausender Gnus entschädigte dies. Um 3 Uhr in der Nacht erreichten wir die Stadt Mwanza am Lake Victoria. Bischof Gulle, ein Freund unseres Reiseleiters Walter und seiner Frau Jacoba Schulz aus Dalum, ließ es sich nicht nehmen, uns zu dieser vorgerückten Stunde persönlich zu empfangen.

Am folgenden Tag stellte Bischof Gulle uns seine aktuellen Projekte in der East-Lake-Victoria Diözese vor: Bau einer Realschule, Straßenkinderprojekt und Plastikflaschenprojekt. Plastikflaschen werden mit Plastikmüll gefüllt, um ihn von den Straßen und Wegen zu entfernen. Plastikmüll stellt in Tansania ein immer größer werdendes Problem dar. Diese gefüllten Flaschen werden später im Hausbau zur Dämmung verwendet. Mit einer längeren Bootstour auf dem Victoriasee und einem gemeinsamen Gottesdienst in der Bischofskathedrale von Mwanza ging es für uns nach drei Tagen weiter in Richtung Singida, einer Zwischenstation auf unserer Reise nach Kondoa. Unterwegs war die Dürre auf den Feldern deutlich zu erkennen.

Kondoa, Missionsstadt des Missionskreises Kondoa, führt seit 1988 eine Kirchenkreispartnerschaft mit dem Kirchenkreis Emsland-Bentheim. Dort wurden wir ganz herzlich mit Blumen und Gesang empfangen. Schon am nächsten Morgen hieß unser Ziel Hamai, eine kleine Gemeinde 40 km von Kondoa entfernt. Wir wollten pünktlich zur Einweihung der dort fertiggestellten Berufsschule sein, ein Projekt der ev.-luth. Kirchengemeinde Dalum. Vier Tage haben wir in der Gemeinde verbracht. Waschen und Zähne putzen mit weniger als zwei Litern Wasser pro Tag. Es funktionierte! Sich auf das Leben vor Ort einlassen mit all seinen Fassetten, am täglichen Leben dieser Menschen teilhaben. Wir waren im Kindergarten(Vorschulklasse), auch ein Projekt der Kirchengemeinde Dalum. Ich war entsetzt über die Schulhefte (jedes Kind hatte nur Kind hatte nur eins, mehr oder weniger gepflegt, aber ohne Wasser und bei solchen Wohn- und Lebensverhältnissen geht es wohl nicht besser). Jedes Kind hatte nur einen Schreibstift, der musste nach dem Unterricht wieder abgegeben werden.

Wir haben die Wasseranlieferung gesehen: ein großer Tank auf einem Treckeranhänger. Von dort wurde ein Schlauch in den großen Behälter mit Zapfstelle gehängt.

Mehrere Personen mussten mit ihren Fingern die vielen Löcher in dem Schlauch zudrücken, damit nicht zu viel Wasser verlorengeht. Mit ihrem ganz normalen Alltag haben wir aber auch erlebt, wie Feste gefeiert werden, wie die wunderbare Einweihung der Berufs schule durch Bischof Kinyunyu mit all den vielen anderen Geistlichkeiten und vielen Menschen aus dem Ort (viele Moslems). Für das gemeinsame Essen wurden drei Ziegen geschächtet, damit alle davon essen konnten. Wer das nicht gesehen hat, kann sich die Zubereitung so eines Mahles für hunderte von Menschen und Bewirtung nicht vorstellen. Es gibt keine Küche, wie wir sie kennen, und kein fließendes Wasser.

Der unvermeidbare Abschied war dementsprechend schwer. Mit einer erneuten Zwischenstation in Kondoa ging es zurück, um uns dann am nächsten Morgen auf den Weg nach Dodoma, der Hauptstadt Tansanias zu begeben. Mit einer interessanten Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt ging der Tag zu Ende. Am darauffolgenden Morgen befanden wir uns auf dem Weg nach Morogoro, einem der fruchtbarsten Landstriche Tansanias mit bis zu drei Ernten pro Jahr.

Noch nicht genug von den ganzen Reiseaktivitäten, begaben wir uns auf den Weg nach Dar es Salaam am Indischen Ozean. Nach einer Nacht im katholischen Maristenkloster in Dar fuhren wir zum Hafen, um von dort mit einem Katamaran nach Sansibar überzusetzen. Sansibar, ein kleines Paradies auf Erden, mit dem dunkelblau schimmernden Meerwasser und der angenehmen Lufttemperatur. Der Besuch auf Prison Island (ein Gefängnis, welches aber nie genutzt wurde) mit seinen Riesenschildkröten war sehr beeindruckend. Die Steigerung folgte schon am nächsten Tag. Auf dem Weg nach Blue Island wurden wir von mindestens vier Delphinen begleitet. Mit einer Dau segelten wir von dort zurück nach Sansibar. Nach drei Tagen auf Sansibar nahte der Abschied. Es ging zurück nach Dar es Salaam und von dort mit dem Flieger nach Amsterdam und wieder nach Deutschland.

Für mich bleibt diese Reise (über 3.000 km durch Tansania) ein unvergessliches Erlebnis. Ich danke Gott, dass ich die Reise mit meinen 78 Jahren mitmachen durfte und unbeschadet überstanden habe.

Mein ganz besonderer Dank gilt auch Walter Bernotat, Mathis Block-Jacobs und Christof Wöste, die zweimal täglich Schwerarbeit geleistet haben: Jeden Morgen unsere großen Koffer auf das Busdach hieven, Plane darüber und festzurren, die kleineren Koffer und Rucksäcke im Bus hinter den Sitzen verstauen und abends alles wieder herunterholen.

Es grüßt Hannelore Schulz