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Die Bethlehem-Gemeinde, oder

wie alles anfing…

Die in das Emsland strömenden Heimatvertriebenen waren zu 75 % evangelisch. Die soziale Not dieser Menschen war groß. Im Emsland gab es bis 1944 drei lutherische Gemeinden in Lingen seit 1728 in Meppen seit 1842 in Papenburg seit 1859. Die Aufteilung der Bevölkerungsgruppen ist bereits aufgezeigt worden. In Meppen nahm sich die Gustav-Adolf-Kirche der christlichen Not an.

Es entstand der Pfarrbezirk 2 mit Errichtung einer Pfarrstelle am 01.07.1952. Sie erfasst die Evangelischen in der Stadt westlich der Ems und in den Orten Apeldorn, Bokeloh, Helte, Teglingen, Varloh-Schwefingen, Rühle-Ort, Klein und Groß Fullen, Versen mit Neu Versen, Hüntel, Holthausen, Borken und Hemsen (so steht es im 1. Gemeindebrief, herausgegeben von Pastor Sallet vom 20.01.1954).

Osterbrock fiel erst 1954 an die 2. Pfarre.

Gemeindebrief an die Evangelische Gemeinde im Pfarrbezirk Meppen II

für die evangelische Gemeinde Meppen, den 20. Januar 1954. herausgegeben von Pastor Sollet, Her zogstr. 14a, Fern. 904 Christus spricht: ICH bin das Brot des Lebens. Was der Ahnen guter Brauch, was der Väter fromme Sitte, halte fest und pflanze auch fort in deiner Kinder Mitte. Mit einer kurzen Betrachtung über die erste Bitte des Vaterunser soll dieser Gemeindebrief begonnen werden: Dein Name werde geheiligt!”

Ein Schüler, der nicht in den unteren Klassen lesen und schreiben gelernt hat, wird schwerlich lernen können, was in den oberen Klassen gelehrt wird, ber Acker nimmt die Saat erst auf, wenn er durch Pflug und Egge bestellt ist.

Um beten zu können, scheint eine Zurüstung nicht nötig. Man lehrt’s schon ein kleines Kind, und es betet auch voll kindlichen Vertrauens. Weshalb aber kann dann ein mancher nicht mehr recht beten, wenn er älter wird? Er hat dem Vater im Himmel gegenüber den rechten Kindessinn verloren. In sein benken und Handeln ist manches getreten, was ihn von Gott trennt, bas unmittelbare Verhältnis zu Gott ist gestört, bes Menschen Sinn wird mehr und mehr von anderem bestimmt, ihm bleibt ebenfalls eine religiöse Stimmung. Gottes Wort hat in seinem Leben nicht Raum wie Christus nicht in der Herberge. Allenfalls in Zeiten der Not sucht er ihn oder wenn ihm die Feierlichkeit bei Taufe, Trauung, Beerdigung oder an hohen Festtagen ein Bedürfnis ist.

Mit solchem Verhalten hat sich auch die Vorstellung von Gott gewandelt, Der Mensch gebraucht vielleicht noch den Namen „Gott” für das „höhere Wesen”, an das er angeblich glaubt. Aber es ist deutlich, dass er sich ein Bi Id von ihm macht, das er nah eigenem Wunsch und Willen formt. Gott ist ihm nicht mehr ein Herr über sein und aller Geschöpfe Leben, dessen Wort und Willen man beachten muss, wenn man leben will. Sein Gott gleicht eher einem Diener, gar einem Ding, das man wegstellt, wenn man’s nicht braucht.

Darum steht am Beginn des Vaterunser diese 1. Bitte, die wir immer wieder neu beten lernen müssen, damit wir unter dem Namen Gottes wirklich GOTTanrufen. Heilig ist nur Gott. Heiligen heißt: Gott zugehörigmachen (genauer: Gottes Eigentumsrecht ehren). Es ist uns nötig, wenn wir Seinen Namen nennen, acht zu geben, dass unser Geist sich Ihm zu wendet.

Die 1. Bitte ist für unser Beten Reinigung vom Erdenstaub, ist Kreuzschlagen und Sünde Bekennen, ist der Pflug, der den Herzensacker bestellt, ist Grundlage in der Schule des Betens, die späteres vorbereitet.

Das Leben Jesu ist wie ein ausführliches Beispiel für diese Bitte, bei der Tempelreinigung besonders deutlich. Deshalb sagt Luther auch heute zu Recht, dass Gottes Name geheiligt werde, wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig als die K i n de r Gottes danach leben. Das hilft uns, Heber Vater im Himmel! Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiligt unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater! Amen.

Dieser Gemeindebrief will in erster Linie ein Gruß des Pastors sein. So möchte ich im ersten Monat des neuen Jahres zunächst noch ein gnadenreiches neues Jahr wünschen.

Lieber wäre es mir, ich könnte alljährlich einmal jeden besuchen, um die Verbundenheit der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Aber auch im vergangenen Jahr habe ich durchschnittlich nur einen Besuch täglich machen können. Auch trifft man dann nicht jeden an. Schließlich ist manches von allgemeinem Interesse und kann in einem solchen Brief besser gesagt werden.

Der PfarrbezirkM e p p e n 2 besteht in seinem jetzigen Umfang (nach Errichtung der Pfarrstelen Meppen 2 am 1.7.1952) seit Herbst 1952 und umfasst die Evangelischen in der Stadt westlich der Ems und in den Orten Apeldorn, Bokeloh, Helte, Teglingen, Varloh, Schwefingen, Rühle-Ort, Klein u. Groß Fullen, Versen mit Neu- Versen, Hüntel, Holthausen, Borken, Hemsen. Es sind das rund 1500 der etwas 3000 Seelen zählenden gesamten evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Meppen. Die größten Entfernungen von der Kirche, selbst in der Stadt Wohnenden, rechtfertigen die Aussendung eines Gemeindebriefes gerade in diesen Teil der Gemeinde.

In diesem Pfarrbezirk sind im vergangenen Jahr 157 Gottesdienste gehalten worden. Zur Zeit sind in der Rege! folgende Zeiten für die Gottesdienste vorgesehen:

Am 1. Sonntag jeden Monats: 8.50 Uhr in Gr. Fullen (Schule), 11.15 Apeldorn, am 2. Sonntag 8.15 Varloh, 10 Uhr Versen, 11.30 Esterfeld, am 3. Sonntag im Monat 8.30 Teglingen, 11.15 Apeldorn, 15.30 Gr. Fullen (Kirche), am 4. Sonntag 8.45 SchwefIngen, 11.30 Hemsen.

Im Jahre 1953 wurden in unserer Gemeinde (Pfarrbezirk 1 u. 2) durch die Hi Taufe 56 Kinder (29 Knaben u. 37 Mädchen) in die Kirche aufgenommen. Oer Herr bewahre sie in der Gemeinschaft seiner Kirche und lasse sie auf wachsen in seiner Furcht!

63 Kinder (29 Knaben und 27 Mädchen) wurden konfirmiert. Oer Herr erhalten sie in der Treue zu seinem Wort!

18 Paare wurden getraut. Gott gebe ihnen Gnade, dass sie ihre Ehe nach seinem Willen führen und in ihm dereinst vollenden!

44 aus der Zeitlichkeit Abgerufene wurden zu Gottes Acker bestattet, ber Herr wolle sie in Gnaden annehmen und ihnen aushelfen zu seinem himmlischen Reich; die Trauernden aber tröste der barmherzige Gott durch sein Evangelium von der Auferstehung und der Hoffnung des ewigen Lebens in Christo!

Ostvertriebene sind wir in unserm Gemeindebezirk bis auf wenige Altein- gessene. Wir haben in der deutschen Katastrophe Hab und Gut verloren wie die Bombengeschädigten darüber hinaus unsere angestammte Heimat, die wir Heben. Am schwersten trifft das den Bauern aus dem Osten. Verlust an Gesundheit, an Männern und Söhnen, die im Felde blieben treffen dann, besonders schwer.

Solch ein Schicksal bedeutet eine ernste Prüfung des Glaubens. Es geht nun um mehr als um das Durchsetzen der eigenen Tüchtigkeit. Die hat uns selbst im Anfang oft wenig geholfen. Wir haben die wirtschaftliche Besserung unserer Lage heute doch auch der allgemeinen wirtschaftlichen Besserung zu danken. Wir stehen eben in einer großen Gemeinschaft, und der Standpunkt, nur an sich zu denken, ist recht kurzsichtig.

Ostzonenflüch t / / n g e kommen nun gelegentlich in unsere Gemeinde und oft nur mit dem, was sie auf dem Leibe tragen. Sie fangen an, wie wir einst angefangen haben. Es fehlt an allem. Die uns seiner Zeit von Einheimischen geliehenen nötigsten Einrichtungsstücke sind eigener Einrichtung gewichen. Wir wollen daran denken, wie uns zu Mute war, als wir her kamen. Wir wollen nicht an ihnen vorüber gehen, sondern sie durch unsere Anteilnahme in unsere Gemeinde auf nehmen und durch Vermögen helfen, sonderlich mit Verwandtschaft und Nachbarschaft. Viele Wenige machen ein Viel.

Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch”, sagt unser Herr, bas ist ein gutes Wort für unser Zusammenleben.

Im Kirchenblatt „Die Botschaft” las ich einmal eine kleine Geschichte. An einem Sonnabend Nachmittag hält ein Lastwagen an einer Tankstelle. Ein von der Arbeit heimkehrender Mann kennt den Fahrer. Er hat noch 10 km zu fahren und will mitgenommen werden. „Leg nur dein Rad auf den Wagen und komm nach vorn! ber Radfahrer tut’s, merkt aber, dass der Kamerad getrunken hat. Er hat selbst seinen Führerschein und setzt sich ans Steuer und fährt den Wagen bis zum Ziel und dann mit seinem Rade 15 km zurück zu seiner Wohnung. „Ich hätte keinen ruhigen Sonntag gehabt”, sagt er.

Der Staube will ständig geübt sein, sonst nimmt er ab und erlischt.”

Unsere J ugendgruppen kommen an folgenden Tagen im Gemeindehaus (Ma- rienstr. 19) zusammen: die männliche Jugend: bis zur Konfirmation: Sonnabend 16 Uhr, bis 17 Jahre: Mittwoch 20 Uhr, Ältere: Montag 20 Uhr, die weibliche Jugend: Wichtel (Alter 8-12 Jahre): Montag 14.30 – 16 Uhr, Mädelschar (Alter 12 – 14 Jahre): [Donnerstag 14.30 – 16 Uhr, konfirmierte Jugend: [Dienstag 20 – 21.30 Uhr Pfadfinderinnen: Freitag 15 – 1630 Uhr

Der Gustav-A dolf-F rauenverein komm t in der Regel am Dienstag 15.30 Uhr im Gemeindehaus zusammen.

In allen diesen Gruppen und Vereinen sind Gäste jederzeit herzlich willkommen. Unsere Fürsorgerin, Fri Klatt, hält an folgenden Tagen Sprechstunden im Gemeindehaus: Montag, Mittwoch, Freitag von 9-13 Uhr. Insbesondere hilft sie auch bei Berufsberatung und Stellenvermittlung von Jugendlichen mit, sowie bei Kinder- und Mütter-Erholung, aber auch in allen Fürsorgedingen. (Fernruf: 904)

Zur Krankenbetreuung haben wir Schwester Gertrud, die im Gemeindehaus am bestens morgens bis 8.30, mittags gegen 14 Uhr und abends von 19 – 20 Uhr zu erreichen (Fernruf ebenfalls 904)

Unsere kirchlichen Zeitungen sind:

  1. ) die „Botschaft”, das Kirchenblatt der Evang.-Iuth. Landeskirche Hannovers.

Dieses Blatt erscheint wöchentlich. Preis viertelj. 1,80 DM durch die Post (+ Bestellgeld) oder durch das Pfarrbüro (dann wird es am Sonntag in der Kirche zum Abholen ausgelegt).

  1. ) Der „Ostfriesische Sonntagsbote” kann ebenfalls durch Post oder Pfarrbüro bestellt werden und kostet vierteljährlich 2 DM.
  2. ) Das „Sonntagsblatt” herausgegeben von unserm Landesbischof. Es wendet sich an Leser, die an Kultur- und Zeitfragen Anteil nehmen, und kostet monatlich durch die Post 2 DM (+ Bestellgeld).

Nun habe ich noch eine herzliche Bitte: wo mein Besuch in Haus oder Nachbarschaft wünschenswert erscheint, mir Nachricht zu geben, z. B. wo jemand längere Zeit krank Hegt, aber auch in anderen Fällen.

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Pastor Sollet.

Die erste Kirche der Gemeinde

Unser Kirchengrundstück im Areal zwischen dem Schullendamm und dem Rühler Sommerweg gegenüber der Gastwirtschaft Kamps an der anderen Seite, ist heute ein Juwel. Ursprünglich stand hier eine Ziegelei und eine Mühle mit Sägewerk. Ab 1933 wurden die Betriebe stillgelegt; es entstand ein Reichsarbeitsdienstlager. Das ist nun längst vorbei. Die aus allen Richtungen angewehten Christen brauchten ein neues Gotteshaus. Dieses konnte wirklich am 1. Advent 1954 fertig gestellt und eingeweiht werden. Die rechtliche Einordnung führte zur Kapellengemeinde mit einem Kapellenvorstand. Herr Walter Se- becke war 12 Jahre lang einziger Vertreter im Gesamtkirchenvorstand der Mutterkirche (Gustav-Adolf-Gemeinde).

Selbständige Gemeinde

Seit dem 01. Januar 1980 gibt es in Meppen zwei lutherische Gemeinden. Der vorhergegangene Beschluss des Kirchenkreisvorstandes wurde vom Landeskirchenamt in Hannover genehmigt. Auch die Niedersächsische Landesregierung hat der Gründung einer Kirchengemeinde als einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zugestimmt.

Erst in 1982 standen Kirchenvorstandswahlen an. Bis dahin arbeitete ein „Übergangsvorstand“. In vielen Sitzungen plante er den Um- und Erweiterungsbau der Bethlehem- Kirche. Er setzte ihn in die Wirklichkeit um.

Am 24. Oktober 1981 weihte Bischof Andersen die neue Bethlehemkirche.

Die Bauform der 1. Kirche

Die 1954 errichtete Kirche war rechteckig mit den Maßen 16,35 m x 9,66 m fast im goldenen Schnitt, am Emsdeich vor der schönen Emsaue. Das hohe, große, etwa 60 ° geneigte Ziegeldach war mit einem Reiter versehen.

Sie bot etwa 120 Gemeindegliedern Platz. Der rote Klinker mit dem hellen Fugenbild gab zwar ein bescheidenes, aber doch ein würdiges Vaterhaus, das mit einfachen Mitteln eine große Wirkung erzielte. Der Bentheimer Architekt Zabel gestaltete das Gebäude.

Mit der Kirche entstand auch ein kleines Pfarrhaus.

Zum Namen „Bethlehemkirche“

Die aus den östlichen Provinzen des deutschen Reiches zusammengewehte Herde fand hier eine neue geistliche Heimat.

Nach Lukas 2, zogen Josef und Maria aus Galiläa, der Stadt Nazareth, nach Bethlehem unter erschwerten Verhältnissen. Sie fanden keinen Platz in der Herberge. Sie lebten nahe den Feldern für die Schafherden. So ist es plausibel, der Kirche diesen Namen zu geben. Von Bethlehem geht die trostvolle Botschaft aus: Gott nimmt Anteil am Los seiner Menschenkinder.

Den Gemeindegliedern ist die Hoffnung und Zuversicht.

Das Albert-Schweitzer-Haus

(Auszug aus der Festschrift Bethlehemkirche 1954 – 1984)

Es war im Frühjahr 1975. bie Gemeindearbeit war in der letzten Zeit gut auf Touren gekommen. Allein zu den Pfadfindergruppen kamen zwischen 70 und 80 Kinder und Jugendliche, bie Gemeinde hatte an Gebäuden aber nur das kleine Kirchlein und das Wohnhaus für die Pastorenfamilie. Eine Aussicht darauf; dass die Landeskirche die Genehmigung und die Mittel für ein Gemeindehaus geben würde, bestand nicht. Was war zu tun? Gerd Götz vom Kirchenvorstand meinte: „ Wenn uns keiner helfen will, dann müssen wir uns eben selber helfen!” Aber wie – das wusste er zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, bie Sache kam ins rollen, als der Landkreis Meppen die Baracke hinter dem Kolpinghaus, in der bis dahin das Jugend- und Sozialamt unterge- bracht war, abschreiben wollte und bereit war, sie der Bethlehemgemeinde zu überlassen, allerdings mit der Auflage, dass der neue Nutznießer sie selbst abbauen und auf dem Kirchengrundstück wieder selbst auf stet len müsse. Außerdem sollten die Außenwände verklinkert werden, damit der Barackencharakter optisch ein wenig abgemildert würde.

Für viele schwand damit die Hoffnung auf eine baldige Lösung des Raumproblems schon wieder dahin, benn was da verlangt wurde, schien mit Schwierigkeiten verbunden zu sein, die über die Kräfte der Bethlehemgemeinde gingen. Wer sollte das Barackensegment so auseinander nehmen, dass sie nachher auch noch brauchbar waren? Wie sollte der Transport bewerkstelligt werden? Woher sollte das Geld für die Materialien kommen, für Klinkersteine, Bausand, Zement, Fußbodenfliesen, Wasserleitungsrohre, Heizungsanlage usw. Aber Gerd Götz wischte die Bedenken vom Tisch, „bas schaffen wir”, sagte er und ging an die Arbeit. Alle Männer, die er kannte – und wen kannte er nicht – bat er mitzuhelfen. Es gelang ihm ein Jahr lang, fast für jeden Tag nach Feierabend und für jedes Wochenende einen Bautrupp zusammenzustellen, der unentgeltlich, oft bis spät in die Nacht hinein für die Kirche arbeitete.

Es war eine schwere Zeit, aber auch eine Zeit, in der sich die vielen mithelfenden Männer kennen lernten, einander näher kamen und zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen. Aus diesem Holz ist der Männerkreis der Bethlehemgemeinde geschnitzt.

Als am 4. Juni 1976 das Albert-Schweitzer-Haus eingeweiht wurde, war die ganze Gemeinde glücklich, am glücklichsten jedoch Gerd Götz und seine Männer, die aus einer abgeschriebenen Baracke ein zweckmäßiges und sehr gemütliches Gemeindehaus geschaffen hatten. Sie nahmen sich vor, irgendwie zusammen zu bleiben, sich regelmäßig zu treffen und das natürlich in dem Haus, das sie selbst gebaut hatten.”

Die heutige Bethlehemkirche

Das Anwachsen der Gemeindeglieder auf z. Zt. 2500 forderte eine Erweiterung. Architekt Buckebrede aus Münster und Meppen legte einen ausgewogenen Plan vor. Vor dem Ostgiebel des vorhandenen Gebäudes legte er den Erweiterungsteil mit der starken Gliederung durch schmale zurückliegende hohe Fenster zwischen hervortretenden Mauerpfeilern. Der östlich angeordnete Chorraum ist durch stufenförmiges Zurücksetzen des Mauerwerkes gegliedert mit schmalen hohen Fenstern. Auffällig ist der eigenwillige Glockenturm mit seinen gradlinigen Konturen, der auch als Treppenflur genutzt wird.

Die erweiterte Kirche bietet 300 Sitzplätze unter Ausnutzung von

2 Emporen – am Glockenturm und am Haupteingang.

Der Baustoff der norddeutschen Landschaft

hart gebrannte Steine in braun/rot Dachziegel

Ein zurückhaltendes Fugenbild Ein heruntergeführtes Dach Dunkle Dachrinnen Kupferbekleidete Turmhaube

geben dem Bau einen deutlichen sakralen Charakter und zeigen die traditionelle Verbundenheit. Sie beugen einer Verwechslung mit einem Profanbau vor. Die Konturen der Kirche zeigen Harmonie. Es wird deutlich, dass auch Steine unseren Glauben ein Stück repräsentieren können.

Das Innere der Kirche

Nach dem Eintritt durch die Haupttür folgt ein Flur mit niedriger Decke, von dem die Treppe zur Empore abzweigt und eine zweiflügelige Glastür in den Kirchenraum einlädt. Dieser Eintritt ist der Geburtskirche in Bethlehem nachempfunden, die nur in gebückter Haltung durch eine niedrige Pforte betreten werden kann, als Ort demütiger Anbetung. Der Kirchenraum ist ein hoher, der bis zur Traufhöhe in Backstein wie außen – gehalten, das Dach ist von der unteren Seite mit Tannenholz bis in die Spitze verkleidet. So ergibt sich eine Raumspannung, die auf den Konzentrationspunkt – den Altarraum – führt. Der Raum ist trotz des seitlichen Anbaues nicht gespalten. Die aus Holz erstellten Kniebänke sind naturfarben und geben dem Ganzen einen warmen wohlfühlenden Charakter.

Die Fenster aus dicken Glasstücken zwischen breitem Acryl (Kunststoff) Fugen ohne Symbolik gestaltet.

Die Farbwahl wird zum Altarraum kräftiger. Die südlichen Fenster geben im Gottesdienst durch die wechselnde Sonneneinstrahlung ein warmes Farbspiel.

Meine Interpretation ist, der Farb-Fluss soll sein wie unser Glaube. Ein Strom, der reinigt. Der alles Dunkle, was uns umgibt, hinwegspült und uns hinträgt in das Licht Gottes, das uns erneuert.

Der Altarraum nimmt die ganze Breite des Kirchenschiffes ein. Er ist um 2 Treppenauftritte höher als der Kirchenraum. Der Bodenbelag und auch Altar und Kanzel sind aus elfenbeinfarbigem Marmor gestaltet. Die aus Mauerwerk bestehende Stirnseite (östl.) schließt den Raum mit einem großen, naturfarbenen Holzkreuz ab. Das Kreuz ist so angebracht, dass nur eine lineare Seite (also diagonal) die Wand berührt.

Zugeordnet sind auf jeder Seite 3 Kerzenständer mit unterschiedlicher Höhe und gleicher diagonaler Aufstellung.

Die gradlinige, abgetreppte Verjüngung des Raumes wirkt beschützend. Für die Beleuchtung des Altars ist ein abgehängter Lampenkranz ohne Schmuck (es sind nur die milchfarbenen Birnen sichtbar). Der Kranz ist zur Gemeinde hin geöffnet.

Der elfenbeinfarbene Taufstein aus Marmor steht im Schnittpunkt des Anbaues und dem großen Kirchenschiff an der Eckwand.

Auf der westlichen Empore befindet sich eine kleine Führerorgel aus dem Jahre 1956.

Sie war abgängig. Die Gemeinde hat eine neue Orgel mit 12 Registern, 2 Manualen und 1 Pedal in Auftrag gegeben. Diese erklingt seit dem 01.07.2005.

Es wird deutlich, dass der Gottesdienst als Handeln Gottes am Menschen verstanden wird. Zu beachten ist, dass ein Kirchenraum kein Raum wie jeder andere ist. Es ist ein von religiösem Erleben und Erfahrungen vieler Menschen erfüllter Raum.

Zusammenfassend lassen sich die Merkmale nennen: klare Raumaufteilung

keine Trennung zwischen Kirchenraum und Chorraum Kanzel und Altar im Blickfeld der Gem3einde Taufstein im Zentrum des Kirchenschiffes

Die Außentüren

  1. Haupteingang

die aus Bronzeguss gestaltete Eingangstür zeigt die drei Waisen aus dem Morgenland, wie der Stern sie zum Jesuskind führt. Sie fielen nieder und beteten es an, öffneten ihre Schätze und beschenkten es (Matth. 2, 1 – 12).

  1. Nebeneingang

Dargestellt sind auf der Bronzetür die himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen ein Wohlgefallen.“ (Lukas 2, 11 – 14).

Die Türen wurden gestaltet von Josef Krautwald aus Rheine.

Schlussbetrachtung

Im Emsland bilden die evangelischen Kirchen eine Minderheit. Dies ist historisch bedingt. Bedeutend für mich ist, dass Christen zwar in verschiedenen Konfessionen, aber in demselben Umfeld leben, viel Toleranz üben, sich gegenseitig achten und zuhören. Ich bin seit 1962 in Meppen und habe mich niemals verletzt gefühlt, Anerkennung ist der Sauerstoff menschlicher Beziehungen.

Oberlandeskirchenrat der Landeskirche Hannovers Ernst Kampermann definierte Kirche wie folgt:

Wer eine Kirche auf sucht, betritt einen Raum, der für eine andere Welt steht. Ob man das Heilige sucht, ob man Segen und Gottesnähe sucht oder schlicht Ruhe, ob ästhetische Motive im Vordergrund stehenimmer spricht der Raum:

Durch seine Architektur, seine Geschichte, seine Kunst, seine Liturgie. Kirchen sind Orte, die Sinn eröffnen und zum Leben helfen können, Orte der Gastfreundschaft und Zuflucht. Sie sind Räume, die Glauben symbolisieren, Erinnerungen wach halten, Zukunft denkbar werden lassen, Beziehungen ermöglichen: zu sich selbst, zur Welt, zu Gott!“

Vortrag am 27. März 2004 in der Gustav-Adolf-Kirche