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Bibelkreis

In der Bethlehemgemeinde finden seit den frühen achtziger Jahren Bibelstunden statt. Der kleine Teilnehmerkreis trifft sich in der Regel alle vierzehn Tage – mit Ausnahme der Schulferien oder nach Vereinbarung. Die Leitung ging im Laufe der Jahre von Herrn Pastor Roth auf Herrn Häusler, Herrn Schnorr und schließlich auf Frau Valerius über.

Im Folgenden berichte ich kurz über die Bibelstunden in den etwa zehn Jahren, in denen ich daran teilgenommen habe. Ich führe die Themen auf, die behandelt wurden, und versuche anzugeben, welche Bedeutung die Gespräche für die Teilnehmer gehabt haben.

Mir liegen weder Protokolle der Zusammenkünfte noch Notizen vor, die während der einzelnen Stunden gemacht wurden. Gelegentlich ausgehändigte Arbeitsblätter lassen allerdings Rückschlüsse auf behandelte Themen zu. Im übrigen verlasse ich mich bei ihrer Auflistung auf mein Erinnerungsvermögen.

In den Bibelstunden bei Herrn Pastor Roth lag der Schwerpunkt auf der Beschäftigung mit dem Neuen Testament. Wir verglichen unter anderem die vier Evangelien miteinander, gingen auf die Geschichte ihrer Entstehung ein und stellten die Eigenarten der Evangelisten heraus.

Die Höhepunkte in der relativ kurzen Zeit der Zusammenarbeit mit Herrn Pastor Häusler waren die Lektüre der Geschichte von Jona und dem Fisch und das Hohelied Salomos sowie die Betrachtung einiger Bilder, die Ereignisse aus der Bibel darstellen.

Mit Herrn Schnorr wandten wir uns zunächst wieder dem Alten Testament zu. Es wurden behandelt: die Schöpfungsgeschichte, die Geschichten um Joseph und seine Brüder, Teile des Buches Hiob sowie Episoden aus dem Buch der Richter und andere, über die der Prophet Samuel berichtet. Danach sprachen wir über Abschnitte aus Paulusbriefen und die Bergpredigt.

Frau Valerius wählte zunächst im Alten Testament das Buch Ruth aus und wird auf die Psalmen und die Sprüche Salomos eingehen.

Diejenigen, die an den Bibelstunden teilgenommen haben, lassen es an Interesse daran nicht fehlen. Uns wurde klar, daß die Bibel wie kein anderes Buch unsere Kultur geprägt hat. Bei der Lektüre fiel auf, wie viele Wörter und Ausdrücke aus der Bibel — beispielsweise „Hiobsbotschaft“, „keuscher Joseph“ und „sieben fette und sieben magere Jahre“ — in unsere Sprache eingingen. (In dem Buch „Geflügelte Worte“ von Georg Büchmann nehmen biblische Zitate fast vierzig Seiten ein.) Wir wissen, daß wir vor allem in den älteren Kirchen Altarbilder, Wandmalereien und Gemälde sehen, die biblische Themen darstellen. In Kunstgalerien überrascht die große Zahl von Bildern — vor allem aus früheren Jahrhunderten -, denen biblische Motive zugrunde liegen. Auch in der Literatur ist die Auseinandersetzung mit Teilen der Bibel, wie zum Beispiel in der Romanfolge „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann, kein Einzelfall.

Während der Behandlung von Kapiteln aus dem Alten Testament vergegenwärtigten wir uns etliche biblische Erzählungen und nahmen dazu Stellung. Wir gewannen Erkenntnisse über biblische Persönlichkeiten sowie auch Einblicke in die alte Geschichte Israels, Babylons und Ägyptens, wenn es gelang, den historischen Kem der Erzählungen oder überzeugende historische Einzelheiten zu erkennen. Abschnitte des Neuen Testaments, in dem es sich um Leben und Lehre Jesu dreht, führten an wesentliche Aussagen unseres christlichen Glaubens heran.

Es kam häufiger vor, daß wir vom Thema der jeweiligen Stunde abwichen und ein Problem unserer Zeit erörterten. Das Abschweifen führte dann auch oft zu einem nicht uninteressanten Gedankenaustausch.

Gerhard Wille